Véronique Bourgoin / Juli Susin: "CASTLE"

05.03.2015
Véronique Bourgoin - New Sunderland, 1989 - 2014
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Juli Susin - untitled, 2010
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Juli Susin - untitled, 2004
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Véronique Bourgoin Labyrinthe du temps, 2007, Paris
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Véronique Bourgoin
Juli Susin

The Castle (Das Schloss)


Eröffnung am 12. März 2015, 19.00
Einführung: Dirk Bakker

Ausstellungsdauer: 13. 3.  –  25. 4. 2015
Öffnungszeiten: Di – Fr 15 – 19 Uhr, Sa 11 – 15 Uhr


Véronique Bourgoin und Juli Susin aus Montreuil bei Paris arbeiten seit Beginn der Jahrtausendwende zusammen und mit anderen Künstlern in einem weitverzweigten Netzwerk von Projekten und Kollaborationen. Dieses Netzwerk ist ein komplexes Geflecht aus realen und fiktiven Labels;  beide treten unter diversen Pseudonymen auf: „Cosa Nostra Expérimentale“, „Ligne de Mire“, „Fabrique des Illusions 1 et 2“, „Atelier Reflexe“, „Silverbridge“, „Royal Book Lodge“, „M.Suzuki“, „Vero Cruz“, „Charlet Kugel“, „Dr. Snowball", „Matière Première“, „Magnet River“, u. a.

Rückblickend kann man sich fragen, ob nicht alle diese Projekte aus dem Wunsch entstanden sind, eine Art übergreifende Sentenz aus unterschiedlichen Titeln zu bilden, welche – ähnlich der vorgestellten Dachlandschaft eines surrealistischen Schlosses – alle zusammen ein eigentümliches Profil ergeben. Die künstlerische Grundannahme in ihrer Haltung zur Fotografie betont weniger die der Fotografie oft zugeschriebene Realitätsmächtigkeit im Abbildungs-mechanismus, als vielmehr vage und bloß angedeutete traumartige Bildwirklichkeiten.


Wie in ihren früheren Serien („Vrai ou Faux?“, „WILLIE OR NOT WILLIE“) bezieht sich Véronique Bourgoin in „Les Labyrinthes du temps“ bei der Konstruktion ihrer Bilder auf experimentelle Techniken der Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts, wie etwa Collage, Solarisation und Inszenierung. Ihre häufig gestellten Fotografien leben von anachronistischen Elementen  und beinhalten Referenzen auf eine Bildsprache des Surrealismus. Sehr beeindruckend arrangiert sie im FOTOHOF ihre Arbeiten auf lebensgroßen Wandtapeten realer Räume, wodurch die Bilder in einen frappierenden Dialog mit den in diesen Bildräumen abgebildeten Objekten treten. Diese neue Installation, erstmals in der FOTOHOF-Ausstellung zu sehen, lässt die Pariser Appartements von Yola Noujam, in denen Véronique Bourgoin im Jahr 2007 eine Reihe von Aufnahmen anlässlich der Ausstellung „Sweet Trouble Souls“ von Andy Hope 1930 und Silverbridge gemacht hat, als Trompe-l’œil wieder erstehen.

„Diese Installation stellt unserer Zeit die Frage nach der eigenen Erinnerung, indem sie das Problem des Verschwindens der Tiefendimension aus unserer persönlichen Geschichte aufwirft. Wenn das Phänomen der ‚schwarzen Löcher’ die ältesten physikalischen Gesetze in Frage stellt, so zeigen uns die Labyrinthe der Zeit, dass die Kunst immer noch in der Lage ist, problematische Gewissheiten unseres Lebens zu erschüttern und den Lauf einer Welt zu verändern, die versucht, die schöpferischen Kräfte der Natur zum Verschwinden zu bringen, mithilfe eines riesigen Aufgebots an Ersatzbildungen, die sich imitierend an die Stelle der Natur selbst setzen.“

Auszug aus dem Text von Ursula Panhans-Bühler für „Vrai ou Faux ?“ von Véronique Bourgoin, erschienen bei
Fotohof & Royal Book Lodge.



Juli Susin zeigt im FOTOHOF eine Auswahl an Fotografien aus diversen Projektserien der letzten Jahre. Zwischen Moskau und Asunción in Paraquay entstanden ambivalente Fotoarbeiten, die konsequent offen lassen, ob es sich dabei um Dokumentation oder Inszenierung handelt.
Susin bezieht sich auf einen Psychotest für Kriminelle aus den USA der 1940er Jahre; dieser enthält mehrere Figuren und Hintergründe, mittels derer jeder „seine eigene Wahrheit darstellen“ kann − Ähnlichkeit mit existierenden Personen ist zufällig, aber gesichert!

 „Erst im Nachhinein enthüllen sich für mich die spontan aufgenommenen, mehr oder weniger gestellten Fotos. Es handelt sich immer um real existierende und nicht um imaginäre Welten. Der durch die Fotografie geschaffene Begegnungsraum erscheint unvorhergesehen und vage. Die Kamera fokussiert, um präzise Informationen zu liefern, sie ist aber kein Garant für Wirklichkeit“.
Jeder kann seine eigene Interpretation vornehmen, oder aber diese Fotos wie anonyme Archive betrachten, die in Büroschubladen eines aus unbekannten Gründen verlassenen Forschungszentrums gefunden wurden.“

(aus: „Der Wasserfall hors-champs“  von Juli Susin)