Anna Breit, Rebecca Unz // HYDRA Editorial

Ausstellung: 1. April – 28. Mai 2022

05.10.2020
Rebecca Unz – Magdalena. aus der Serie "Sensibelchen"
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Anna Breit. Gedeoni. aus der Serie: Teens (in their rooms) FOTOHOF edition, 2021
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Rebecca Unz. Pascal. aus der Serie: Sensibelchen
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Rebecca Unz. Schultern in Elasthan mit Blume II
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Anna Breit. Luise. aus der Serie: Teens (in their rooms) FOTOHOF edition, 2021
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Anna Breit. Henrike. aus der Serie: Teens (in their rooms) FOTOHOF edition, 2021
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Diego Moreno, aus: En mi mente nunca hay silencio, 2021
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Anna Breit
Rebecca Unz


Eröffnung: 31. März 2022, 19 Uhr
Einführung: Andrew Phelps
Ausstellung: 1. April − 28. Mai 2022

FOTOHOF / Inge-Morath-Platz 1-3 / 5020 Salzburg / Austria

 
Die erste Präsentation nach unserer Jubiläumsausstellung zeigt zwei junge österreichische Fotografinnen, die beide im Genre des Porträts arbeiten und sich auf unterschiedliche Weise mit der Jugendkultur ihrer Zeit auseinandersetzen.

Anna Breit - Teens (in their rooms)
Die Serie "Teens (in their rooms)" von Anna Breit, die letztes Jahr als gleichnamiges Buch in der FOTOHOF edition veröffentlicht wurde, ist eine umfassende Sammlung von Porträts Jugendlicher zwischen 13 und 19 Jahren in ihren eigenen Zimmern, in der Umgebung, die sie sich selbst geschaffen haben. Zimmer sind für Teenager, die noch bei ihren Eltern leben, der erste Versuch, ihre eigenen Interessen und Ideologien auszudrücken; einen selbstbestimmten Raum zu schaffen, der noch in den Häusern der Kindheit liegt, aber doch bereits von der familiären Umgebung abgeschnitten ist. Es ist ein Raum, in dem die Ängste der jungen Erwachsenen verarbeitet werden können, während einer intensiven Zeit der Selbstfindung und der Hinterfragung der Identität. Wörtlich genommen gibt Anna Breit den Porträtierten auf den Fotos Raum, sie blicken direkt in die Kamera, in lockerer, entspannter Pose, wirken selten emotional und laden uns nur widerwillig in ihren Lebensbereich ein. Die Fotografin und die Jugendlichen treffen sich wie Freunde, wie Gleichaltrige auf der Straße oder in sozialen Netzwerken und Anna Breit bittet sie um ihr Vertrauen, sie zu fotografieren zu dürfen. Obwohl einige von ihnen mit ihr in Kontakt bleiben, teilen sie meist nur diesen einen verletzlichen Moment − eine Verletzlichkeit, die ebenso Gegenstand der Bilder ist wie die Teenager selbst.

Rebecca Unz - SENSIBELCHEN
Die Protagonist:innen der Serie "Sensibelchen" von Rebecca Unz entstammen dem Freundeskreis der Fotografin aus der Grazer Hip-Hop-Szene: Unter bewusstem Verzicht auf alle populären Attribute, Accessoires und Kleidungsstücke, die diese Subkultur aus Musik, Tanz und Lifestyle ausmachen, wählt Rebecca Unz die Bildausschnitte der Porträts so eng wie möglich und zeigt uns nur die Gesichter. Obwohl sie frei von popkulturellen Details sind, sind sie keineswegs frei von Emotionen. Der enge, intime Rahmen, kombiniert mit einer außergewöhnlich geringen Schärfentiefe, schafft einen sehr direkten und konzentrierten Austausch mit den Porträtierten. Das Wesen der Performance, speziell in einem so sehr auf Vokalist:innen fokussierten Genre wie Rap, erfordert eine bestimmte Art von egozentrischer Persönlichkeit und Selbstvertrauen. Rebecca Unz’ Porträts durchbrechen diese Fassade und scheinen die verletzliche Seite dieser Musiker:innen zu zeigen, eine Seite, die wir nur selten zu sehen bekommen.
 
Die unterschiedlichen Facetten und Nuancen jeder einzelnen Persönlichkeit werden durch die konzeptionelle Entscheidung, die Farbtemperatur und den Farbton von Bild zu Bild zu verändern, noch stärker hervorgehoben. Diese feinen Unterschiede, die zwischen den einzelnen Bildern kaum wahrnehmbar sind, werden deutlich, wenn man einen Schritt zurücktritt und diese "Individuen" als Ganzes betrachtet.

PROJEKTIONSFLÄCHEN
Die Serie "Projektionsflächen" ist in gewissem Sinne eine Dekonstruktion des Prozesses der Porträtaufnahme. Rebecca Unz versucht nicht etwas über das Subjekt zu enthüllen, sondern projiziert eine Vision oder eine Idee auf den Porträtierten, ähnlich einer Leinwand, um ein visuelles Spiel mit Licht, Ton, Pose und Oberfläche zu schaffen. Was wie eine kontrollierte Studiosituation aussieht, ist in Wirklichkeit ein vorgefundener Moment, fotografiert mit vorhandenem Licht, oft in der Nacht. Die technische Gegebenheit digitaler Chips, die Lichtempfindlichkeit drastisch zu erhöhen, macht diese transitorischen Momente bei schwachem Licht, die normalerweise nicht fotografiert werden können, erst möglich.

Anna Breit, geboren 1991 in Wien ist eine österreichische Fotografin, welche sich in ihren Arbeiten zwischen Modefotografie und freien künstlerischen Projekten bewegt. Anna Breit setzt sich in ihren Werken vor allem mit Menschen und deren Beziehungen − oft Familienmitglieder und Freund:innen − auseinander. Ihre Arbeiten wurden in internationalen Magazinen wie Artnet und Vogue Italia, sowie in österreichischen Magazinen wie Die Presse, Schaufenster und Rondo veröffentlicht. Sie hat an verschiedenen Ausstellungen wie beispielsweise im OstLicht Wien, Improper Walls und dem Museum der Arbeit in Hamburg teilgenommen. 2021 veröffentlichte sie ihr erstes Fotobuch "Teens (in their rooms)" im Verlag FOTOHOF edition.
www.annabreit.com

Rebecca Unz wurde 2000 in Graz geboren und verbrachte ihre Kindheit in Untergiem bei Feldbach. Von 2015−2020 studierte sie Fine Art Photography & Multimedia Art an der HTBLVA Ortweinschule Graz. In ihrem Abschlussjahr wurde sie mit dem August-Sander-Preis für Porträtfotografie 2020 ausgezeichnet. Derzeit lebt Rebecca Unz in Untergiem bei Feldbach und arbeitet in Graz.
www.rebeccaunz.xyz

 

in der FOTOHOF bibliothek:    
VERLAGE ZU GAST 3: HYDRA / INFRAMUNDO

Eröffnung am 31. März 2022 mit einem Gespräch mit Ana Casas Broda
Ausstellung: 1. April − 30. Juli 2022

Verlage zu Gast stellt engagierte internationale Publikationsprogramme in der Studiogalerie der Bibliothek vor. Die dritte Ausgabe ist dem mexikanischen Verlag HYDRA Editorial gewidmet.

HYDRA definiert sich als Plattform zur Entwicklung von fotografischen Projekten, die auf Reflexion, Dialog und Zusammenarbeit zwischen Künstler:innen, Institutionen und Verlagen beruht. Das Haus für Fotografie in Mexico City wurde 2012 von Ana Casas Broda, Gabriela González Reyes und Gerardo Montiel Klint als integrativer, flexibler und offener Raum gegründet.
          
2014 wurde das Verlagsprojekt HYDRA Editorial mit der Veröffentlichung mehrerer Fotobücher initiiert, teilweise in Zusammenarbeit mit größeren Verlagen wie RM und La Fábrica.

2018 startete das kollektive Projekt INFRAMUNDO mit der Präsentation von 22 Fotobüchern lateinamerikanischer Fotograf:innen, die aus dem HYDRA-Programm INCUBADORA DE FOTOLIBROS hervorgegangen sind. Dieses Workshop-Programm bietet Autor:innen die Möglichkeit, ihre Bücher mit Unterstützung internationaler Expert:innen, Designer:innen und Kurator:innen zu entwickeln.
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