Magherita Spiluttini – Bilder der 1980er Jahre

Ausstellung: 5. Oktober – 13. November 2021

23.12.2020
Margherita Spiluttini – aus der Serie: „Mittwoch, 3. September 1980, 12 Uhr 45 bis 13 Uhr 57“, 1980
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Margherita Spiluttini – aus der Serie: „Wien Expeditionen, Grenze NÖ“, 1981
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Margherita Spiluttini – aus der Serie: „8. März Internationaler Frauentag, Wien“
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Margherita Spiluttini – aus der Serie: „Abriss Kulturzentrum Gassergasse, Wien“, 1983
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Margherita Spiluttini – aus der Serie: „Überwachungskameras Wien“, 1983
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Margherita Spiluttini – Abriss Kulturzentrum Gassergasse, 1983
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Margherita Spiluttini
Bilder der 1980er Jahre


Eröffnungsabend: Samstag, 2. Oktober, 18−24 Uhr (Lange Nacht der Museen)
19.00 Einführung in die Ausstellung von Peter Schreiner
Ausstellung: 5. Oktober − 13. November 2021
unter Einhaltung der aktuellen Covid-19 Maßnahmen

FOTOHOF / Inge-Morath-Platz 1-3 / 5020 Salzburg / Austria
Öffnungszeiten: Di−Fr 15−19, Sa 11 −15 Uhr


Margherita Spiluttini gilt als eine der bedeutendsten österreichischen Fotografinnen mit internationaler Ausstrahlung. Ihr etwa 100.000 Fotografien umfassendes Gesamtwerk wird im Architekturzentrum Wien, einem unterstützenden Partner dieser Ausstellung, aufbewahrt und zugänglich gemacht. Es stellt eine der wichtigsten fotografischen Sammlungen zur Architektur in Österreich der letzten 40 Jahre dar.

Margherita Spiluttini beginnt an der Wende zu den 1980er Jahren und in einer Zeit zu fotografieren, die in Österreich den Beginn einer sich institutionalisierenden Auseinandersetzung mit der Geschichte und Gegenwart der Fotografie als künstlerisch wie gesellschaftlich relevantes Medium markiert. So ist das Jahr 1981, welches Dietmar Steiner in Margherita Spiluttinis Monographie Räumlich (FOTOHOF edition, 2007) als den Beginn ihrer Karriere bezeichnet, auch das Gründungsjahr des FOTOHOF.

Die Ausstellung Margherita Spiluttini − Bilder der 1980er Jahre konzentriert sich auf diese ersten Jahre im Schaffen der Künstlerin. Sie versammelt Werkgruppen und frühe Auftragsarbeiten, die in dieser Breite nie gezeigt und zum Teil neu aus ihrem Archiv gehoben wurden. Margherita Spiluttini beginnt im privaten Umfeld zu fotografieren. Sie produziert konzeptuelle Arbeiten mit ihrer Tochter Ina (Du und Ich), inszenierte Portraits (etwa von Adolf Krischanitz und Wolfgang Kos) oder die emanzipatorische Serie Mittwoch, 3. September 1980, 12 Uhr 45 bis 13 Uhr 57, eine Beschäftigung mit Reproduktionsarbeit, in welcher ihre Auseinandersetzung mit zentralen Themen der Frauenbewegung deutlich wird.

Während Margherita Spiluttinis Werk häufig mit aufwendigen, in der Plattenkamera entstandenen Bildern von nüchterner Sachlichkeit assoziiert wird, zeigt die 1981 im Rahmen der Wiener Festwochen entstandene Arbeit Wien Expeditionen spontane Kleinbild-Aufnahmen, die nicht zuletzt Einblick in das inspirierende persönliche Umfeld der Künstlerin ermöglichen. Auf gemeinsamen Ausflügen werden fotografisch als auch aktionistisch Architektur und Landschaft erkundet, wobei die Grenzen zwischen psychogeografischer Recherche und hedonistischer Raumaneignung unscharf zu bleiben scheinen.

Hier wird deutlich, dass es die Künstlerin mit Leichtigkeit versteht, das fotografische Medium zum einen − entsprechend seiner traditionellen Gebrauchsweise − als Mittel journalistischer Erkundung und wissenschaftlicher Vermessung (der Welt) einzusetzen, es zum anderen aber, durch die Akzentuierung ihres eigenen, subjektiven Blicks (auf die Welt), zum Werkzeug ihres künstlerischen Ausdrucks zu machen. Die Fotografie könnte im Blick auf Margherita Spiluttinis frühe Arbeiten vielleicht als Hilfsmittel bezeichnet werden, um die eigene Position (ideell, aber auch wörtlich) zu reflektieren und zu diskutieren und zugleich eine "teilnehmende Beobachtung" der sie umgebenden Wirklichkeit durchzuführen.
   
Denn Margherita Spiluttinis Interesse an den sozialen Fragen der Zeit spiegelt sich in zahlreichen dokumentarischen Serien, in Bildern von Demonstrationen zum Internationalen Frauentag und der Serie Abriss Kulturzentrum Gassergasse, Wien über die Zerstörung des ersten autonomen Jugendzentrum Wiens (die "GaGa"), welches 1981/82 erkämpft worden war. Den aktuell geführten kritischen Diskurs zum Thema Datenschutz und Überwachung im öffentlichen Raum nimmt die Fotografin 1983 vorweg als sie beginnt, für die Serie Überwachungskameras Wien eben jene Kameras im öffentlichen Raum zu dokumentieren.

Eine der jüngeren in der Ausstellung gezeigten Arbeiten zum Flugfeld Aspern (1988) lässt schließlich Margherita Spiluttinis Interesse an einer "topografischen" Fotografie als Werkzeug zur Dokumentation und Darstellung zivilisatorischer Prozesse deutlich werden und weist damit auf jene Themen hin, welche das spätere Hauptwerk der Künstlerin bestimmen werden. Im Blick auf diese Bildserie, die also eine Überleitung zu all jenem darstellt, das in der Ausstellung Margherita Spiluttini − Bilder der 1980er Jahre nicht gezeigt werden kann, wird ein weiteres Mal deutlich, wie in diesem Werk unterschiedliche fotografische Gebrauchsweisen zusammengehen, um einen spezifischen Blick auf die Welt visuell zu artikulieren und eine künstlerische Position deutlich zu machen.

Margherita Spiluttini Biografie
Margherita Spiluttini wird 1947 in Schwarzach im Pongau, Salzburg, geboren. Nach der Ausbildung zur medizinisch-technischen Assistentin beginnt sie Ende der 1970er Jahre ihre Auseinandersetzung mit künstlerischer Fotografie. Konzeptuelle Arbeiten im privaten Umfeld werden gefolgt von einer intensiven Beschäftigung mit Architekturfotografie. Zahlreiche internationale Auftrags- sowie freie künstlerische Arbeiten bestimmen ihr weiteres Werk. 1998 und 1999 Lehrauftrag an der Universität für angewandte Kunst, Wien. 2000–2002 Gastprofessur an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung, Linz. 2008–2011 und 1995–1999 ist sie Mitglied im Vorstand der Wiener Secession. Der Großteil ihres Werks wird seit 2016 im Architekturzentrum Wien archiviert und zugänglich gemacht. 2016 erhält Margherita Spiluttini den österreichischem Staatspreis für künstlerische Fotografie. Sie wird von der Galerie Christine König, Wien vertreten.

Auszeichnungen
1996 Österreichischer Würdigungspreis für künstlerische Fotografie
1997 Preis der Stadt Wien
2005 Großer Kunstpreis des Landes Salzburg
2006 Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst
2009 Otto Breicha-Preis für Fotokunst
2016 Österreichischer Staatspreis für künstlerische Fotografie
2017 Niederösterreichischer Würdigungspreis für Medienkunst

Kuratoren: Georg Oberlechner (Studio Spiluttini) und Peter Schreiner, Rainer Iglar, Michael Mauracher (FOTOHOF)

In Zusammenarbeit mit Architekturzentrum Wien